WAS BEDEUTET ES WIRKLICH EIN AU PAIR AUFZUNEHMEN?

Bild von Brian Wangenheim aus Unsplash

Die Vorstellung klingt für viele Familien zunächst einfach: Ein Au Pair zieht ein, hilft im Alltag mit den Kindern und lernt gleichzeitig Deutschland kennen. Doch hinter dem Au Pair Programm steckt weit mehr als nur praktische Unterstützung im Familienalltag. Wer sich dafür entscheidet, eine Gastfamilie für ein Au Pair zu werden, öffnet nicht nur sein Zuhause, sondern auch sein Familienleben für einen kulturellen Austausch, der oft weit über das eigentliche Programm hinausgeht.

Ein Au Pair lebt für mehrere Monate im Haushalt einer Familie und wird im Idealfall zu einem festen Bestandteil des Alltags. Es begleitet die Kinder zur Schule oder zum Kindergarten, spielt mit ihnen, hilft bei kleinen Aufgaben rund um die Kinderbetreuung und erlebt gleichzeitig das Leben in Deutschland aus nächster Nähe. Dabei steht jedoch nicht die Arbeitsleistung im Vordergrund, sondern der Gedanke des gegenseitigen Austauschs.

Der Begriff „Au Pair“ stammt aus dem Französischen und bedeutet so viel wie „auf Gegenseitigkeit“. Genau dieser Gedanke prägt das gesamte Programm: Während das Au Pair die Familie unterstützt und die deutsche Sprache sowie Kultur kennenlernt, erhält die Familie einen internationalen Blickwinkel und ermöglicht den eigenen Kindern frühzeitig den Kontakt mit anderen Kulturen.

Eine besondere Anfangsphase: Der Kulturschock
Viele Familien sind überrascht, dass die ersten Wochen für ein Au Pair oft emotional sehr intensiv sein können. Besonders in den ersten drei bis neun Wochen kann ein sogenannter Kulturschock auftreten. In dieser Phase wird dem Au Pair bewusst, dass es sich in einem völlig neuen Umfeld befindet – mit einer anderen Sprache, anderen Gewohnheiten und einer neuen Familie.

Heimweh, Unsicherheit oder auch Überforderung sind in dieser Zeit keine Seltenheit. Für Gastfamilien ist es daher wichtig zu wissen, dass dieser Prozess ganz normal ist und von erfahrenen Au Pair Agenturen gut begleitet werden kann. Seriöse Agenturen kennen diese Phase sehr genau und wissen, welche Schritte helfen können, um das Au Pair aus dieser Situation herauszuführen. Oft helfen Gespräche, Orientierung im Alltag oder kleine positive Erlebnisse dabei, dass sich das Au Pair zunehmend sicherer fühlt.

Unterstützung bei der Integration
Ein entscheidender Faktor für eine erfolgreiche Au Pair Zeit ist die Unterstützung durch die Gastfamilie. Wer ein Au Pair aufnimmt, sollte bereit sein, dem jungen Menschen dabei zu helfen, sich in Deutschland einzuleben. Dazu gehört nicht nur die Erklärung von Alltagsabläufen im Haushalt, sondern auch ein Einblick in die deutsche Kultur und Lebensweise.

Gemeinsame Ausflüge, Gespräche über kulturelle Unterschiede oder kleine Hilfen im Alltag können einen großen Unterschied machen. Viele Au Pairs erinnern sich später besonders an Momente, in denen sie sich von ihrer Gastfamilie wirklich willkommen gefühlt haben.

Auch für Kinder kann diese Erfahrung sehr prägend sein. Sie lernen früh, dass Menschen aus verschiedenen Ländern unterschiedliche Sprachen, Traditionen und Sichtweisen mitbringen. Für viele Familien wird dieser kulturelle Austausch zu einem der wertvollsten Aspekte des gesamten Programms.

Eine Erfahrung mit langfristigen Perspektiven
Interessanterweise entwickelt sich für viele Au Pairs während ihres Aufenthalts in Deutschland eine langfristige Perspektive. Nachdem sie mehrere Monate im Land gelebt, die Sprache gelernt und Kontakte geknüpft haben, entscheiden sich viele von ihnen, auch nach dem Au Pair Jahr in Deutschland zu bleiben.

In solchen Fällen gibt es Programme und Organisationen, die diesen nächsten Schritt unterstützen können. Spezialisierte Angebote – beispielsweise Programme wie „Stay to Career“ – helfen ehemaligen Au Pairs dabei, ihre Möglichkeiten in Deutschland weiter auszubauen, etwa durch Ausbildung, Studium oder berufliche Orientierung.

Mehr als nur Unterstützung im Alltag
Wer ein Au Pair aufnimmt, erhält nicht nur Hilfe bei der Kinderbetreuung. Vielmehr entsteht häufig eine Beziehung, die weit über das Programm hinausgeht. Viele Gastfamilien bleiben auch Jahre später noch mit ihrem ehemaligen Au Pair in Kontakt. Besuche im Heimatland, gemeinsame Urlaube oder regelmäßige Gespräche sind keine Seltenheit.

So wird aus einer ursprünglich praktischen Entscheidung oft eine Erfahrung, die das Familienleben nachhaltig prägt. Für Kinder, Eltern und Au Pair gleichermaßen kann diese Zeit zu einer Phase werden, die von neuen Perspektiven, gegenseitigem Verständnis und internationalen Freundschaften geprägt ist.

Am Ende bedeutet es also, eine Gastfamilie für ein Au Pair zu sein, nicht nur ein Zimmer zur Verfügung zu stellen – sondern Teil einer Begegnung zwischen Kulturen zu werden.

 
 
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